3037 Soziales Lernen und Wertebildung

Soziales Lernen und Wertebildung Für Klassenrat, Ethik und schwierige Situationen

Soziales Lernen und Wertebildung Für Klassenrat, Ethik und schwierige Situationen 89 Kopiervorlagen, 1 Poster, 3 Gesprächsräder ab Klasse 2 von Liane Kürschner und Claudia Rathmann Illustrationen: Stefanie Scharnberg

Soziales Lernen und Wertebildung Für Klassenrat, Ethik und schwierige Situationen Best.-Nr. 3037 Autorinnen: Liane Kürschner, Claudia Rathmann Illustrationen: Stefanie Scharnberg Redaktion: Ines Guthoff, Lisa Neunzerling Herstellung: Christina Kupka Satz: Therese Meissner, Ünsal Özbakir Toningenieur: Oliver Kreuzwieser · k.o. recording-arts · www.ko-recording-arts.com Sprecherinnen: Gabi Franke, Stefanie Mau Sprecher Kinder: Jonas Elsaeßer, Linus Elsaeßer, Anna Fröhlich Tonredaktion: Tania Meyer © 2026 Finken-Verlag GmbH, Oberursel · www.finken.de · info@finken.de Der Kauf der Kopiervorlagen berechtigt die Lehrpersonen der kaufenden Schule, beliebig viele Kopien für den Einsatz an dieser Schule herzustellen. Das Werk und seine Teile sind urheberrechtlich geschützt. Jede Nutzung in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen bedarf der vorherigen schriftlichen Einwilligung des Verlages. Hinweis zu §60a ff UrhG: Weder das Werk noch seine Teile dürfen ohne eine solche Einwilligung eingescannt und in ein Netzwerk gestellt werden. Das gilt auch für Intranets von Schulen und sonstigen Bildungseinrichtungen. Besuchen Sie uns im Internet! Dort finden Sie ausführliche Informationen zu allen Finken-Produkten. www.finken.de Unter dem Link www.finken.de/3037-Begleitmaterialien finden Sie die nachfolgenden Materialien, die Sie zur Arbeit mit Soziales Lernen und Wertebildung verwenden können (Passwort: steht im Ordner). Hörtexte 1 Das stört! 2 Mir stinkt es gewaltig! 3 Sollen wir petzen? Poster Soziales Lernen und Wertebildung Freundschaftswerkstatt Streitwerkstatt

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Inhaltsverzeichnis I Inhaltsverzeichnis Gemeinsam Werte leben ........................................................................................................ III Konzept und Ziel ....................................................................................................................... III Inhalt und Aufbau .................................................................................................................... IV Material Hinweise zum Material ............................................................................................................... 1 M 1: Wie läuft es jetzt? ............................................................................................................... 2 M 2: Der Schritt in die richtige Richtung ................................................................................. 3 M 3 / 4: Adjektivkärtchen 1/ 2 ..................................................................................................... 4 M 5 / 6: Rollenkarten 1/ 2 ............................................................................................................ 6 M 7: Cool-down-Ecke: Wie groß ist mein Problem? ............................................................. 8 M 8: Cool-down-Ecke: Regenbogen ....................................................................................... 9 M 9: Cool-down-Ecke: Glaub an dich! .................................................................................. 10 M 10: Cool-down-Ecke: Cool-down-Abc . ............................................................................. 11 M 11: Cool-down-Ecke: Fünf-Finger-Atmung ........................................................................ 12 M 12: Placemat für eine Dreiergruppe ....................................................................................13 M 13: Placemat für eine Vierergruppe .................................................................................... 14 Ausgrenzung Einheit 1: Die nerven mich! ........................................................................................... 15 – 24 Planungshilfe, Ausgangssituation: Geschichte ..................................................................... 15 Arbeitsblätter 1, 2, 2a, 3 ............................................................................................................18 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................. 22 Arbeitsblatt 4 ............................................................................................................................. 24 Einheit 2: Das ist echt nicht lustig! ............................................................................. 25 – 36 Planungshilfe, Ausgangssituation: Poster ............................................................................. 25 Arbeitsblätter 1, 2, 3, 3a ........................................................................................................... 29 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................. 33 Arbeitsblatt 4 ............................................................................................................................. 35 Einheit 3: Das ist doch Mädchenkram! ..................................................................... 37 – 46 Planungshilfe, Ausgangssituation: Comic ............................................................................. 37 Arbeitsblätter 1, 2, 3, 3a ............................................................................................................ 41 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................. 45 Achtlosigkeit Einheit 4: Das stört! ........................................................................................................ 47 – 60 Planungshilfe, Ausgangssituation: Hörtext ........................................................................... 47 Arbeitsblätter 1, 2, 2a, 3, 3a, 3b ............................................................................................. 51 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................. 57 Arbeitsblatt 4 ............................................................................................................................. 59

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Inhaltsverzeichnis II Einheit 5: Mir stinkt es gewaltig! ................................................................................. 61 – 70 Planungshilfe, Ausgangssituation: Hörtext ........................................................................... 61 Arbeitsblätter 1, 2, 2a, 3 ........................................................................................................... 64 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................. 68 Arbeitsblatt 4 ............................................................................................................................. 70 Einheit 6: Hast du schon gehört? ............................................................................... 71 – 80 Planungshilfe, Ausgangssituation: Comic ............................................................................. 71 Arbeitsblätter 1, 2, 3 .................................................................................................................. 74 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................. 77 Arbeitsblätter 4, 5 . .................................................................................................................... 79 Ich-Bezogenheit Einheit 7: Das ist voll unfair! ......................................................................................... 81 – 90 Planungshilfe, Ausgangssituation: Geschichte .................................................................... 81 Arbeitsblätter 1, 2, 3 ................................................................................................................. 84 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................. 87 Arbeitsblatt 4 ............................................................................................................................. 89 Einheit 8: Ich raste gleich aus! . ................................................................................. 91 – 102 Planungshilfe, Ausgangssituation: Poster ............................................................................. 91 Arbeitsblätter 1, 2, 2a, 3, 3a .................................................................................................... 95 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ........................................................................... 100 Arbeitsblatt 4 ........................................................................................................................... 102 Einheit 9: Nie nimmt die mich dran! ....................................................................... 103 – 112 Planungshilfe, Ausgangssituation: Geschichte .................................................................. 103 Arbeitsblätter 1, 2, 3, 3a ......................................................................................................... 106 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................ 110 Arbeitsblatt 4 ............................................................................................................................ 112 Konflikte Einheit 10: Sollen wir petzen? .................................................................................. 113 – 124 Planungshilfe, Ausgangssituation: Hörtext .......................................................................... 113 Arbeitsblätter 1, 2, 3 ................................................................................................................ 116 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................ 119 Arbeitsblätter 4, 5, 6 ............................................................................................................... 121 Einheit 11: Du hast angefangen! .............................................................................. 125 – 134 Planungshilfe, Ausgangssituation: Geschichte .................................................................. 125 Arbeitsblätter 1, 2, 2a, 3 ......................................................................................................... 128 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ........................................................................... 132 Arbeitsblatt 4 ........................................................................................................................... 134 Einheit 12: Das kannst du nicht bestimmen! ....................................................... 135 – 144 Planungshilfe, Ausgangssituation: Geschichte .................................................................. 135 Arbeitsblätter 1, 2, 3 ............................................................................................................... 138 Weitere Übungen und Ideen zum Thema ............................................................................ 141 Arbeitsblatt 4 ........................................................................................................................... 143

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konzept III Gemeinsam Werte leben Leben in der Gesellschaft ist nur möglich, wenn wir uns auf gemeinsame Werte einigen. Immer häufiger klagen Lehrkräfte über mangelndes Sozialverhalten in ihren Klassen. Auch in den Medien finden sich regelmäßig Berichte über Szenarien an Schulen, die betroffen machen. Neben aggressiven Verhaltensweisen und Mobbing werden Ich-Bezogenheit, mangelnde Empathie und auch Respektlosigkeit von Kindern und Jugendlichen gegenüber Menschen wie Dingen festgestellt. Hieraus ergeben sich große erzieherische wie unterrichtliche Herausforderungen, die von Lehrkräften als sehr belastend erlebt werden. Nachdenklich stimmt in diesem Zusammenhang auch die Vermutung, dass grundlegende Werte wie Achtung und Respekt vor der Würde, den Bedürfnissen und auch den Grenzen anderer sowie Toleranz, Aufrichtigkeit, Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein nicht mehr bei allen Schülerinnen und Schülern ausreichend im Bewusstsein verankert sind. Das Leben in einer friedlichen Gesellschaft – im Kleinen, wie im Großen – ist aber nur möglich, wenn wir uns auf gemeinsame Werte einigen, diese schützen und vertreten. Die Förderung eines sozialen Miteinanders ist daher aus unserer Sicht eng verknüpft mit der Entwicklung eines inneren Wertekompasses, der zeigt, in welche Richtung wir als Gemeinschaft gehen wollen und der uns in schwierigen Situationen Orientierung bietet. Zugleich benötigen Kinder wie Erwachsene ein Repertoire an sozialen Kompetenzen, um in einer Gemeinschaft friedlich und freundlich miteinander umgehen zu können. Dazu zählen zum Beispiel Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, Konflikt- und auch Kommunikationsfähigkeit. Diese sind eng verknüpft mit persönlichen Kompetenzen, insbesondere damit, ein positives eigenes Selbstkonzept auszubilden: Wer sich in einer Gruppe als Außenseiter oder Außenseiterin, defizitär oder wenig selbstwirksam erlebt, wird sich nur bedingt aktiv und konstruktiv in soziale Prozesse einbringen können. Wenn wir ein soziales Miteinander fördern möchten, müssen wir daher immer auch die Situation und die Entwicklung des Einzelnen in einer Gruppe im Blick haben. Konzept und Ziel Ziel dieses Ordners ist es, grundlegende (demokratische) Werte und soziale Kompetenzen als Basis unseres gemeinschaftlichen Zusammenlebens ins Bewusstsein zu holen, sie zu reflektieren und gezielt weiterzuentwickeln. Ausgangspunkt sind typische Szenen aus dem Schulalltag, in denen das soziale Miteinander gestört wird. Ganz bewusst haben wir uns dafür entschieden, alle Fallbeispiele in einer fiktiven Klasse rund um die Lehrerin Frau Fink anzusiedeln und dabei mit einem wiederkehrenden Repertoire an Figuren zu arbeiten. Bei der Auswahl der Schülerinnen und Schüler haben wir versucht, unterschiedliche Charaktere und die Besonderheiten gruppendynamischer Konstellationen aufzugreifen. Da gibt es z. B. Joshua, der sehr sportlich und deshalb der Wortführer in der Fußballclique ist. Er bestimmt nicht nur, was gemacht wird, sondern auch, wer cool genug ist, um in seiner Mannschaft dabei sein zu dürfen.

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konzept IV Der eher zurückhaltende Leo, der sich gern um die Erstklässler kümmert und noch dazu ein „Mädchenhobby“ hat, wird von ihm nicht akzeptiert. Metin würde Leo eigentlich gern verteidigen, fürchtet aber, dass er dann auch nicht mehr in der Clique dabei sein darf. Selina und Ayse geraten ständig wegen Kleinigkeiten in Streit und finden dann nicht mehr aus ihrer Emotionsspirale heraus. Ein Wort gibt das andere und irgendwann fliegen die Fäuste. Auch Lena hat Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu kontrollieren, insbesondere frustrierende Situationen kann sie nur schwer bewältigen. Dann hat sie den Eindruck, die ganze Welt habe sich gegen sie verschworen, bekommt Wutanfälle, beschimpft andere und macht „dicht“ – für Argumente ist sie kaum noch zugänglich. Zum Glück hat sie ihren Freund Viktor, der meistens die Ruhe bewahrt, wenn Lena mal wieder „ausrastet“. Dies sind nur einige Protagonisten aus der Klasse von Frau Fink – und wir gehen davon aus, dass Sie aus Ihren Klassen ähnliche Gruppenkonstellationen und Verhaltensweisen kennen. Unser Gedanke ist daher, dass die sozialen Probleme in der Klasse von Frau Fink einen Anstoß geben können, um mit Ihren Schülerinnen und Schülern über das Miteinander in der eigenen Klasse nachzudenken. Aspekte, die „nicht gut laufen“, können auf diese Weise zunächst im geschützten Bereich der fiktiven Gemeinschaft und dann mit Bezug zur eigenen Klasse besprochen werden. Aus der Analyse der Ursachen entwickeln die Kinder dann Ideen, wie es zukünftig „besser laufen“ könnte. Inhalt und Aufbau Die Ordnerstruktur orientiert sich an dem oben beschriebenen Vorgehen. Präsentiert werden zwölf thematische Einheiten, die konkrete Fallbeispiele zu folgenden Aspekten bieten: Ausgrenzung, Achtlosigkeit, Ich-Bezogenheit, Konflikte. Der Aufbau der einzelnen Einheiten ist immer gleich. Auf der ersten Seite bieten wir Ihnen eine kurze Zusammenfassung des Fallbeispiels, zusammen mit einem KinderZitat, welches Sie vielleicht aus Ihrer eigenen Klasse kennen, z. B. Das ist voll unfair! oder Die nerven mich. Beides soll Ihnen helfen, sich schnell über den nachfolgenden Inhalt zu informieren, um entscheiden zu können, ob und inwiefern die Situation für Sie und Ihre Klasse relevant ist. Darüber hinaus erhalten Sie auf dieser Seite eine Übersicht über die Fokuswerte und Schlüsselkompetenzen, die in dieser Einheit im Vordergrund stehen. Auch dies soll Sie bei einer zielgerichteten Auswahl der Materialien unterstützen. Im Anschluss folgt ein Arbeitsblatt für die Kinder mit der konkreten Alltagssituation. Dafür haben wir bewusst unterschiedliche Formen ausgewählt und versucht, den Leseanteil zu reduzieren, um die Auseinandersetzung mit den Inhalten mehr in den Vordergrund zu stellen. Sie finden daher neben kurzen Lese- bzw. Vorlesetexten auch Audioaufnahmen, Comicfolgen und Bildszenen vom beiliegenden Poster, die als Impulse für den Einstieg genutzt werden können.* * Die Hörtexte und das Poster finden Sie im Download: www.finken.de/3037-Begleitmaterialien Passwort: steht im Ordner © Finken-Verlag · www.finken.de Ausgrenzung Soziales Lernen und Wertebildung 15 Fokuswerte und Schlüsselkompetenzen Emotionale Ausdrucksfähigkeit: Gefühle wahrnehmen, ausdrücken, ernst nehmen. Empathie: Sich in andere hineinfühlen, statt vorschnell zu verurteilen. Friedliches Miteinander: Wege finden, um gemeinsam und ohne Streit auszukommen. Gerechtigkeit: Niemanden ungerecht behandeln oder ausgrenzen. Kommunikation: Konflikte offen und ehrlich ansprechen. Respekt: Die Meinung, den Raum, die Grenzen und die Persönlichkeit anderer achten. Selbstwirksamkeit: Konflikte lösen, Selbstschutz wichtig nehmen. Toleranz: Unterschiede akzeptieren und andere so annehmen, wie sie sind. Verantwortung: Verantwortung für die eigene Haltung und das eigene Verhalten übernehmen. Zugehörigkeit: Jede und jeder hat ein Recht, Teil der Gemeinschaft zu sein. Um was geht es? Tim kommt weinend aus der Pause zurück, weil ihn Natascha und Helena auf dem Pausenhof ständig verfolgen und „nerven“. Zwar greifen sie ihn nicht an oder beleidigen ihn, aber Tim fühlt sich dennoch durch ihr Verhalten bedrängt. Frau Fink bemerkt, dass es Tim nicht gutgeht, kann sein Problem aber nicht nachvollziehen. Sie vermutet, die Mädchen wollten nur spielen. Tim fühlt sich unverstanden. Die nerven mich! Zu AB 2 gibt es eine zusätzliche Seite: AB 2a

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konzept V Auf dem Poster sind nicht nur die Einheiten „Das ist echt nicht lustig!“ und „Ich raste gleich aus!“ als Bildfolgen dargestellt, sondern auch zu allen anderen Einheiten findet sich darauf eine typische Szene, die Sie den Kindern ergänzend zeigen und die sie gemeinsam besprechen können. Daran anschließend werden zu jeder Einheit konkrete Aufgaben gestellt und durch passende Materialien ergänzt. Den Einstieg bildet immer ein strukturiertes Gespräch in kleinen Gruppen, bei dem sich die Kinder über erste Eindrücke zur Situation austauschen sollen. Dafür nutzen sie das Gesprächsrad, das auf Seite VI / VII ausführlicher erklärt wird. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Fallbeispiel folgt einer festen – in jeder Einheit wiederkehrenden – Struktur, die durch Arbeitsblätter und Impulsseiten realisiert wird. Dabei steht es Ihnen frei zu entscheiden, wie intensiv Sie das Thema behandeln wollen. Die Arbeitsblätter und Impulsseiten Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Fallbeispiel durchlaufen die Kinder vier Schritte: 1. Was läuft da eigentlich? Im ersten Schritt analysieren sie die Situation aus dem Fallbeispiel. Es geht darum, Personen und Prozesse differenziert wahrzunehmen, Strukturen herauszuarbeiten und Probleme zu benennen. 2. Wie läuft das bei uns? Danach überprüfen die Kinder, ob sie ähnliche Situationen und Verhaltensweisen auch in ihrer eigenen Klasse beobachtet haben. Das regt – neben dem Transfer auf die eigene Klasse – auch eine Selbstreflexion an: Wie gehe ich mit solchen Situationen um? Bin ich selbst beteiligt oder beobachte ich nur? Welche Gefühle verbinde ich mit solchen Situationen / Verhaltensweisen? 3. Wie könnte es besser laufen? Das überlegen die Kinder im dritten Schritt gemeinsam. Sie erhalten Impulse für Handlungsmöglichkeiten und kleinere Projekte, die auch über die Klasse hinausgehend das Schulleben bereichern können. Diese drei, zum Teil mehrseitigen, Arbeitsblätter schließen sich an die Ausgangssituation an. Zusätzlich werden am Ende jeder Einheit weitere Ideen zum Thema angeboten, die Sie anknüpfend an das Fallbeispiel, aber auch unabhängig davon, in Ihrer Klasse erproben können. 4. Wie läuft es jetzt? Regen Sie die Kinder abschließend an, ein Ziel für ein besseres Miteinander in Ihrer eigenen Klassen- oder Schulgemeinschaft festzulegen. Nach einer angemessenen Erprobungszeit bietet es sich an, die aktuelle Situation zu reflektieren und Erfolge zu würdigen. Eine Vorlage dafür finden Sie im Materialkapitel (M 1, Seite 2). Hierauf können die Kinder ihr Ziel eintragen und das Blatt im Klassenraum aufhängen. Während der Reflexion bearbeiten die Kinder das Blatt weiter: Um auszudrücken, wie gut jede und jeder Einzelne das Ziel erreicht hat, malen die Kinder in einer der Ampelfarben je ein Rechteck in der Zielfahne aus. rot = nicht gut gelb = mittelmäßig grün = sehr gut

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konzept VI Die Struktur der Einheiten auf einen Blick Methodenwahl und Aufgabenformate Bei der Auswahl der Methoden und Aufgabenformate haben wir den Schwerpunkt auf das Gespräch, die Perspektivübernahme und die emotionale Ausdrucksfähigkeit gelegt, da wir diese Elemente als grundlegend für ein gelingendes Miteinander ansehen und zugleich die Erfahrung gemacht haben, dass die damit verbundenen Kompetenzen häufig zu wenig entwickelt sind und gezielt gefördert werden müssen. Wir haben das Repertoire an Methoden und Aufgaben bewusst eingeschränkt, damit nicht das Einfinden in ständig wechselnde Formate die Auseinandersetzung mit den Inhalten behindert. Diese methodischen Zugänge tauchen regelmäßig auf. Sie sind durch ein eigenes Piktogramm leicht identifizierbar und werden teilweise mit ergänzendem Material angeboten, welches in ausreichender Zahl für die Kinder bereitstehen sollte. Austausch mit dem Gesprächsrad Nach der Präsentation des Fallbeispiels tauschen die Kinder sich zunächst selbstständig in kleinen Gruppen dazu aus. Dafür nutzen sie das Gesprächsrad, welches bei der Strukturierung des Gesprächs hilft. Es enthält die folgenden Impulse: • Meine ersten Gedanken • Das fühlt sich richtig / nicht richtig an, weil ... • Das würde ich jetzt tun Dass der Einsatz des Gesprächrades ansteht, zeigt den Kindern das Piktogramm am Ende jeder Ausgangssituation. 1 Was läuft da eigentlich? • Kurzer spontaner Austausch in Gruppen • Analyse einer Situation aus der Klasse von Frau Fink • Wahrnehmung der Strukturen und Prozesse • Übernahme verschiedener Perspektiven 2 Wie läuft das bei uns? • Übertragung der Situation auf die eigene Klasse • Sensibilisierung für problematische Strukturen • Gezielte Beobachtungen (auch über die eigene Klasse hinaus) • Kommunikation von Gedanken und Gefühlen (emotionale Ausdrucksfähigkeit) 3 Wie könnte es besser laufen? • Verantwortung des Einzelnen und der Gemeinschaft diskutieren (Selbstwirksamkeit, Selbstschutz, Solidarität, Zivilcourage) • Gemeinsame Werte und Vereinbarungen festlegen • Handlungsalternativen herausarbeiten und erproben • Ideen ggf. in der Schulöffentlichkeit präsentieren 4 Wie läuft es jetzt? • Reflexion der aktuellen Situation • Einschätzen des bisherigen Erfolgs • Herausarbeiten von positivem Verhalten / guten Taten • Überlegungen zur Weiterarbeit

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konzept VII Im Gespräch hat jedes Kind die Gelegenheit, seine Eindrücke mit anderen zu teilen und zu vergleichen. Zugleich werden die Schülerinnen und Schüler durch die sprachlichen Impulse dazu angeregt, ihre Überlegungen bewusst in Ich-Botschaften zu formulieren und nicht vorschnell zu bewerten oder zu urteilen. In dieser Hinsicht kann die Arbeit mit dem Gesprächsrad einen Beitrag zum Aufbau einer Gesprächskultur in der Klasse leisten und auch bei der Diskussion über konkrete Situationen aus dem Schulalltag hilfreich sein. Bei emotional aufgeladenen Ereignissen wie etwa der Klärung eines Pausenstreits, kann der strukturierte Austausch in einer kleineren Gruppe dazu beitragen, das Gespräch wieder auf die Sachebene zu verlagern. Auch komplexere Themen aus dem Klassenrat können auf diese Weise vorbereitet werden. Drei Gesprächsräder finden Sie in der Sichttasche des Ordners. Weitere können Sie unter www.finken.de/3038 nachbestellen. Stimmenskulptur als Ausdruck von Gedanken Um das eigene wie auch das Verhalten anderer Personen einschätzen zu können, ist die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme wichtig. Es geht darum, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt eines anderen Menschen hineinzuversetzen. Die Stimmenskulptur ist eine Möglichkeit, die Gedanken einer Person „hörbar“ zu machen. Fordern Sie die Kinder zunächst auf, sich zu überlegen, was eine Person in einer bestimmten Situation denkt. Ihre Idee notieren die Kinder auf einem Zettel. Wichtig: Der Gedanke muss wirklich aus der Sicht der entsprechenden Person formuliert sein. Zur Stimmenskulptur kommen einige Kinder nach vorn, stellen sich in einer Reihe oder einem Kreis auf und sprechen ihren Gedanken laut aus. Dann beginnt die Inszenierung. Fordern Sie (wie eine Dirigentin oder ein Dirigent) per Handzeichen mehrmals nacheinander einzelne Kinder auf, ihren Gedanken zu wiederholen. Sie bestimmen dabei sowohl die Reihenfolge wie auch das Tempo der Redebeiträge. So wird eindrücklich deutlich, dass oft mehrere Gedanken im Kopf kreisen, die sich unter Umständen wie ein Karussell (immer schneller) drehen. Wenn die Kinder mit dieser Methode vertraut sind, können Sie die Rolle der Dirigentin / des Dirigenten auch an eine Schülerin oder einen Schüler abgeben. Adjektivkärtchen, um Gefühle zu beschreiben Empathie und Einfühlungsvermögen sind für das soziale Miteinander in einer Gruppe von besonderer Bedeutung. Um diese Kompetenzen entfalten zu können, braucht es zusätzlich die Fähigkeit, wahrgenommene Gefühle sprachlich differenziert ausdrücken zu können. Es macht einen Unterschied, ob ich mich in einer Situation gekränkt, bedroht oder verraten fühle. Und auch die Gefühle, die ein bestimmtes Verhalten bei Außenstehenden auslöst, können verschieden sein. Ein Streich kann von einem als lustig, einem anderen als hinterlistig und von einem dritten als respektlos wahrgenommen werden. Diese Gefühle haben Auswirkungen auf die Bewertung eines Verhaltens und auch auf das Verhältnis zu den entsprechenden Personen.

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konzept VIII Um die emotionale Ausdrucksfähigkeit zu fördern, kommen auf den Arbeitsblättern immer wieder Aufgaben vor, bei denen die Kinder die Gefühle der Protagonistinnen und Protagonisten oder ihre eigenen mit Adjektiven beschreiben sollen. Dazu haben wir im Materialkapitel auf Seite 4 / 5 Adjektivkärtchen zusammengestellt (M 3 / 4), die Sie entweder als komplette Tabelle oder als Einzelkärtchen nutzen können. Es empfiehlt sich, dass jedes Kind diese Kärtchen dauerhaft an seinem Platz oder in seinem Fach bereit hat. Je nachdem, in welcher Form Sie das Material anbieten, können die Schülerinnen und Schüler Kärtchen auswählen oder Muggelsteine auf die entsprechenden Adjektive in der Tabelle legen und dann über ihre Auswahl ins Gespräch kommen. Es ist möglich (und auch gewünscht), dass den Kindern manche Begriffe nicht geläufig sind und Sie diese erst klären müssen. Hier ergeben sich vielfältige Möglichkeiten zur sprachlichen Sensibilisierung und für die Ausbildung eines differenzierteren Wortschatzes. Rollenkarten für Stabpuppen Um den Kindern den Perspektivwechsel zu erleichtern, taucht auf manchen Arbeitsblättern die Aufgabe auf, Szenen mit verteilten Rollen nachzuspielen. Dazu eignen sich Stabpuppen, die die Kinder selbst gestalten und in ihren Fächern aufbewahren können. Zu allen Figuren, die in den Ausgangssituationen vorkommen, gibt es Rollenkarten im Materialkapitel (M 5 / 6, siehe Seite 6 / 7). Kopieren Sie diese für jedes Kind Ihrer Klasse – ggf. sogar vergrößert. Die Kinder schneiden die Figuren aus, kleben sie ggf. auf Karton und befestigen mit Klebestreifen auf der Rückseite einen Schaschlikspieß. Selbstverständlich darf bei diesem Piktogramm neben den Stabpuppen auch das szenische Spiel zum Einsatz kommen. Hört euch in anderen Klassen um Da soziales Lernen nicht auf den Klassenraum beschränkt ist, sondern auch auf dem Schulhof oder in der gemischten Nachmittagsbetreuung stattfindet, halten wir es für wichtig, bei bestimmten Themen auch Kinder und Lehrkräfte anderer Klassen einzubeziehen und den Austausch mit ihnen zu fördern. Besonders wünschenswert wäre es, wenn mehrere Klassen einer Schule gleichzeitig an derselben Unterrichtseinheit arbeiten würden, sodass Synergieeffekte entstehen und das gemeinsame Lernen nachhaltig gestärkt wird. Hand aufs Herz Die wiederkehrenden Hand aufs Herz-Fragen kann jedes Kind still für sich beantworten. Sie tragen dazu bei, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen und das soziale Miteinander in der Schulgemeinschaft zu fördern.

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 113 Fokuswerte und Schlüsselkompetenzen Demokratische Grundhaltung: Aushandlung von Regeln im Klassenverband; Beteiligung an Entscheidungsprozessen erfahren. Ehrlichkeit und Wahrheit: Dilemma zwischen Aufrichtigkeit und Loyalität lösen. Empathie: Sich in andere hineinversetzen; Gefühle erkennen und reflektieren. Freundschaft und Loyalität: Mit Loyalitätskonflikten umgehen; mit Vertrauen und Enttäuschung in Beziehungen umgehen. Gerechtigkeit: Über faires Verhalten und gerechte Konsequenzen diskutieren. Hilfsbereitschaft: Unterscheidung zwischen „Petzen“ und „Hilfe holen“; erkennen, wann es nötig ist, sich an Erwachsene zu wenden. Moralisches bzw. ethisches Urteilsvermögen: Abwägen von Handlungsoptionen; Umgang mit Dilemma-Situationen; Grenzen der Privatsphäre vs. Notwendigkeit des Eingreifens erkennen. Schulklima und Klassenkultur: Gegenseitige Fürsorge ermöglichen und erleben. Selbstreflexion: Eigene Erfahrungen hinterfragen; Emotionen benennen und bewerten. Verantwortung: Verantwortung für das eigene Handeln (z. B. Spicken) und Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft (Regelverstöße melden) übernehmen. Zivilcourage / Mut: Den Mut aufbringen, etwas zu sagen, obwohl es unangenehm ist; sich für andere einsetzen, auch wenn es Nachteile bringen kann. Die Ausgangssituation zu dieser Einheit ist ein Hörtext, den Sie unter www.finken.de/3037-Begleitmaterialien herunterladen können (Passwort: siehe Seite IV). Zusätzlich gibt es die Ausgangssituation in transkribierter Form, die Sie ebenfalls allen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stellen können (siehe Seite 115). Sollen wir petzen? Um was geht es? Joshua erzählt, dass Helena während des Tests ihr Heft unter dem Tisch hatte. Die Kinder bewerten die Situation unterschiedlich: Natascha überlegt, es der Lehrerin zu sagen. Jonas findet Spicken unfair und betrügerisch, während Joshua meint, Petzen sei Verrat. Am Ende sind sich die drei uneinig: Sollen sie Frau Fink davon erzählen? Für AB 2 benötigen Sie für jede Gruppe die Placemats für Dreier- oder Vierer-­ gruppen (M 12 /13, siehe Seite 13 /14 im Kapitel „Material“).

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 115 Ausgangssituation: Sollen wir petzen? Natascha: Puh, der Test war ganz schön schwer. Bei Frage 3 wusste ich echt nicht, was da gemeint war mit den Niederschlagsarten. Jonas: Das stand doch im Heft! Hast wohl wieder nicht genug gelernt, was? Natascha: Doch, eigentlich schon, aber irgendwie konnte ich mich nicht mehr an den Unterschied zwischen Tau und Hagel erinnern. Joshua: Tja, dann hättest du es halt einfach wie Helena machen sollen. Natascha: Was meinst du damit? Joshua: Hast du das nicht mitbekommen? Helena hat heimlich gespickt. Sie hat ihr Heft unter dem Tisch aufgeschlagen und alles abgeschrieben. Und Frau Fink hat das noch nicht einmal gemerkt. Jonas: Aber das ist doch verboten! Und außerdem ist das auch ganz schön unfair. Natascha: Ja, ich finde das auch ungerecht. Ich habe das ganze Wochenende gelernt und mich angestrengt, damit ich eine gute Note bekomme. Und Helena macht es sich leicht und spickt. Das sage ich Frau Fink nach der Pause. Joshua: Spinnst du? Du kannst Helena nicht verpetzen. Ihr seid doch Freundinnen. Die kriegt dann richtig Ärger mit Frau Fink und wahrscheinlich eine 6. Natascha: Na toll! Und wenn Helena alles abgespickt hat und dafür eine 1 bekommt, ist es doch all denen gegenüber unfair, die dafür tagelang gelernt haben. Joshua: Na und?! Dann muss die Fink halt besser aufpassen! Außerdem hat Helena schon so viele schlechte Noten, da tut ihr eine bessere Note doch auch mal gut. Jonas: Sie hat die gute Note aber nicht verdient. Das ist doch wie Betrug. Joshua: Und Petzen ist wie Verrat. Außerdem weiß ich, warum sie gespickt hat. Ihre Eltern wollen unbedingt, dass sie auf das Gymnasium geht. Die bekommt zu Hause nämlich immer ganz schön Ärger, weil sie oft schlechte Noten hat. Neulich hatte sie sogar drei Tage Hausarrest. Natascha: Ach, Quatsch! Der geht es doch nur ums Geld. Die bekommt für jede gute Note 2 €. Jonas: Also, was machen wir jetzt? Sollen wir petzen? Sagen wir es Frau Fink? 3

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 116 1 Wer sagt was? Verbinde die Sprechblase mit dem passenden Kind. 2 Joshua meint: Petzen ist wie Verrat. Wie siehst du das? Besprich dich mit deinem Partner / deiner Partnerin. Markiere auf dem Barometer. 3 Würdet ihr Helena verpetzen? Besprecht euch in der Gruppe. Wir würden Helena verpetzen / nicht verpetzen, weil ... 4 Wie reagiert wohl Helena, wenn sie von Natascha verpetzt wird? Spielt die Szene zwischen Helena und Natascha nach. 5 Was würde wohl Frau Fink sagen, wenn die Kinder das Spicken petzen? Schreibe in die Sprechblase. Was läuft hier eigentlich? AB 1 Ich stimme zu. Ich stimme nicht zu. Aber das ist doch verboten! Ihr seid doch Freundinnen! Helena macht es sich leicht und spickt. Sollen wir petzen? Joshua Natascha Jonas Name:

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 117 1 W ird in eurer Klasse gepetzt? Welche Situationen fallen euch ein? Besprecht euch in der Gruppe oder im Klassenrat. 2 W urdest du schon einmal verpetzt? Wie hast du dich dabei gefühlt? Beschreibe mit passenden Adjektiven. 3 Was könnte jemandem, der petzt, durch den Kopf gehen? Kreuze an. Oh, das ist gefährlich, ich muss jemanden um Hilfe bitten. Das ist ungerecht. Ich möchte nicht, dass gelogen wird. Betrug finde ich nicht in Ordnung. Ich finde den / die doof. Ich bin der bessere Mensch. Alle müssen sich an die Regeln halten. 4 M anchmal ist es wichtig, dem Lehrer / der Lehrerin etwas zu sagen. Lies die Situationen und kreuze an. 5 V ergleicht eure Ergebnisse und begründet. 6 W elche Gründe könnte es geben, dem Lehrer/der Lehrerin etwas zu sagen? Sammelt eure Ideen im Placemat. Wie läuft das bei uns? AB 2 Situation Ich sage es Ich sage es nicht Tabea will nicht schwimmen. Sie schwindelt: „Ich habe meine Schwimmsachen vergessen.“ Leon wirft in der Pause sein Brot in den Müll. Ein Kind benutzt ein Feuerzeug oder ein Taschenmesser in der Pause. Die Viertklässler lassen die Zweitklässler beim Fußball nicht mitspielen. Tina hat Selma auf der Treppe geschubst. Hand aufs Herz: Hast du schon einmal gepetzt? 12 / 13 Name:

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 118 1 W ann kann es wichtig sein, dem Lehrer / der Lehrerin etwas zu sagen? Kreuze die Aussagen an. Es kann wichtig sein, dem Lehrer / der Lehrerin etwas zu sagen, wenn ... jemand verletzt wird. jemand nicht zuhört. eine Situation gefährlich ist. jemand nicht mitmachen darf. jemand Hilfe braucht. jemand traurig ist. jemand immer wieder geärgert wird. jemand kurz Quatsch macht. mich etwas stört. . . 2 B efragt eure Lehrerinnen und Lehrer, wann sie es wichtig finden, dass ihr ihnen etwas sagt. 3 G estaltet dazu ein Plakat für die Klasse. 4 W as denkt ihr zu diesen Fragen? Philosophiert in der Klasse. Wie könnte es besser laufen? AB 3 Soll man immer die Wahrheit sagen? Sollte man wegschauen, wenn ein Freund/eine Freundin etwas Falsches macht? Ist Petzen manchmal auch mutig? Was bedeutet es, ein guter Freund/eine gute Freundin zu sein? Name:

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 119 Hier sind einige kreative und handlungsorientierte Ideen und Aufgaben zum Thema, die soziale Kompetenzen, Empathie und ein Verständnis für richtiges und falsches Verhalten im sozialen Miteinander fördern. Kinder sollen den Unterschied zwischen „Anschwärzen“ und „Hilfeholen“ verstehen lernen, ein Gespür für die passende Zivilcourage entwickeln sowie Problemlösestrategien einüben. Darüber hinaus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte für Diskussionen über Werte wie Gerechtigkeit, Freundschaft und Verantwortung. Rollenspiel: Sagen oder nicht sagen? Die Kinder spielen in Kleingruppen verschiedene Alltagsszenen nach (z. B. jemand nimmt heimlich etwas aus der Schultasche eines anderen, jemand wirft mit Papierkügelchen, jemand weint, weil er / sie sich verletzt hat). Ein Kind verpetzt das Geschehene bei der Lehrkraft. Nach dem Rollenspiel wird gemeinsam reflektiert: War das Petzen oder Hilfeholen? Ziel: Den Unterschied erkennen und richtiges Verhalten einüben. Plakat: Sei mutig – zeig Courage! Die Klasse überlegt gemeinsam Situationen, bei denen es wichtig ist, etwas zu sagen oder Hilfe zu holen, wenn z. B. ein Kind von anderen geärgert, ausgeschlossen oder verletzt wird. Sie überlegt sich dann Möglichkeiten, wie die betroffenen Kinder mit solchen Situationen umgehen können. Diese Situationen und auch die Verhaltenstipps werden gemalt oder aufgeschrieben und auf einem Plakat präsentiert. Ziel: Visualisierung und Verinnerlichung von Handlungsregeln; Leitfaden für moralische Entscheidungen. Kurzfilm drehen: „Das ist kein Petzen!“ Die Kinder entwickeln gemeinsam ein kurzes Drehbuch zu einer Szene, in der jemand Hilfe holt, weil es nötig ist. In der Szene sollte sehr deutlich werden, dass dies kein Petzen ist. Die Szene wird mit Tablets gefilmt und später der Klasse gezeigt und gemeinsam reflektiert. Ziel: Kreative Auseinandersetzung mit dem Thema und Reflexion über Beweggründe. Weitere Übungen und Ideen zum Thema

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 120 Zwickmühlen-Karten Die Schülerinnen und Schüler erhalten Karten mit verschiedenen Situationen ( AB 4 / 5 siehe Seite 121 / 122), in denen sich jemand in einer Zwickmühle befindet, und mit der Fragestellung, wie sie entscheiden würden. Die Aussprache und Meinungsäußerung kann in der Gruppe oder im Klassenrat erfolgen. Gut wäre es an dieser Stelle, wenn die Kinder auf die unterschiedlichen Beweggründe eingehen, weswegen man jemanden verpetzt bzw. nicht verpetzt. Die Zwickmühlen-­ Situationen drehen sich auch häufig um die Frage, ob es besser ist, das Richtige zu tun, auch wenn das möglicherweise Ärger oder Konflikte mit sich bringt, oder ob es einfacher ist, still zu bleiben und keine Konsequenzen zu riskieren. Die ZwickmühlenKärtchen sollen zum Nachdenken, Diskutieren und Reflektieren anregen, ohne dabei eine „richtige“ oder „falsche“ Lösung vorzugeben. Ziel: Haltung in moralischen Fragen entwickeln; über Werte und Normen nachdenken. Rollenspiele: Petzen oder helfen? Mit den Rollenspielkärtchen auf AB 6 (siehe Seite 123) können die Kinder verschiedene Situationen im szenischen Spiel erproben. Es gibt sechs Situationen, in denen ein Kind etwas der Lehrkraft erzählt. Die Schülerinnen und Schüler spielen die Szenen, denken darüber nach oder malen etwas dazu. Dabei klären sie folgende Fragen: War das wirklich wichtig / notwendig? Oder wollte jemand einfach nur, dass der / die andere Ärger bekommt? Ziel: Entscheidungsfindung bei moralischen Fragestellungen. Buchtipp Trau dich, sag was! (Peter H. Reynolds) Egal, ob jemand einsam ist oder ein Unrecht geschieht – es gibt viele Situationen und viele Gründe, etwas zu sagen. Lesen Sie gemeinsam das Buch und diskutieren Sie anschließend: War das Petzen? Wann war es wichtig, mit anderen darüber zu sprechen? Ziel: Anhand von Geschichten moralisches Verständnis vertiefen.

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 121 Zwickmühlen-Karten 1 Die kaputte Fensterscheibe Situation: Du siehst, wie ein Kind beim Fußballspielen auf dem Schulhof eine Fensterscheibe trifft, die zerspringt. Der Lehrer fragt später die Klasse, ob jemand weiß, wie das passiert ist. Zwickmühle: Sagst du, wer es war und riskierst, als Petze dazustehen? Oder schweigst du, obwohl das Kind Verantwortung übernehmen sollte? Das beschmierte Schulbuch Situation: In der Pause siehst du, wie deine Freundin eine Zeichnung in das Schulbuch eines anderen Kindes malt. Zwickmühle: Meldest du es der Lehrkraft? Oder deckst du sie, weil sie deine Freundin ist? Süßigkeiten in der Schule Situation: Es gilt ein Verbot für Süßigkeiten. Du siehst ein Kind, wie es heimlich welche isst und sogar anderen welche anbietet. Zwickmühle: Sagst du der Lehrkraft Bescheid? Oder lässt du es, weil es „doch nicht so schlimm ist“? Das verbotene Handy Situation: Ein Kind hat heimlich ein Handy mit in die Schule genommen und spielt in der Pause damit. Zwickmühle: Sagst du etwas? Oder denkst du: „Solange es keinem schadet, ist es okay“? Gemeine Worte über ein anderes Kind Situation: Du hörst, wie zwei Kinder hinter dem Rücken eines anderen Kindes gemeine Dinge sagen. Zwickmühle: Sagst du es dem betroffenen Kind oder der Lehrkraft? Oder befürchtest du, dass du dann selbst zum Ziel wirst? Die gestohlene Sporthose Situation: Ein Kind nimmt aus der Sportumkleide die Turnhose eines anderen mit – du beobachtest es. Zwickmühle: Sagst du es, damit der Diebstahl aufgeklärt wird? Oder hältst du dich raus, weil du keinen Ärger willst? Der Spickzettel Situation: Vor der Klassenarbeit siehst du, wie jemand einen Spickzettel unter dem Tisch vorbereitet. Zwickmühle: Verpetzen? Oder schweigen, weil du nicht willst, dass er oder sie Ärger bekommt? ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ AB 4

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 122 Zwickmühlen-Karten 2 Hausaufgaben abgeschrieben Situation: Dein Freund Max hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. In der Pause fragt er dich, ob er schnell bei dir abschreiben darf. Die Lehrkraft bemerkt später, dass eure Antworten gleich sind und fragt dich, ob Max von dir abgeschrieben hat. Zwickmühle: Verpetzen? Oder lügen, weil du selbst keinen Ärger bekommen möchtest? Der verschwundene Radiergummi Situation: In der Pause siehst du, wie dein Klassenkamerad Ben heimlich Leas Radiergummi in seine Tasche steckt. Lea sucht danach und fragt alle, ob sie ihn gesehen haben. Zwickmühle: Verpetzen oder Ben direkt ansprechen? Oder tust du so, als hättest du nichts gesehen, weil du dich nicht einmischen willst? Das unfaire Basketballspiel Situation: Beim Basketballspiel in der Pause schummelt ein Kind aus deinem Team bei den Regeln, aber außer dir bemerkt es niemand. Zwickmühle: Sagst du etwas, damit das Spiel fair bleibt? Oder lässt du es, weil du nicht der „Spielverderber“ sein willst?“ Der doppelte Muffin Situation: Beim Geburtstag gibt ein Kind Muffins aus. Du siehst, wie ein Kind sich heimlich einen zweiten Muffin schnappt, obwohl andere noch keinen hatten. Zwickmühle: Meldest du es der Lehrkraft, um Gerechtigkeit zu gewährleisten? Oder lässt du es, um das Kind nicht bloßzustellen? Der kaputte Stift Situation: Ein Kind zerbricht versehentlich deinen Stift. Zwickmühle: Sagst du der Lehrkraft, dass es den Stift zerbrochen hat? Oder lässt du es bleiben, weil es „nur“ ein Stift ist? Der Streit um das Spielzeug Situation: Zwei Kinder streiten sich um Spielzeug. Kind 1 behauptet, es habe das Spielzeug zuerst gehabt, aber du weißt, dass Kind 2 es zuerst hatte. Zwickmühle: Sagst du, wie es wirklich war, um Kind 2 zu helfen? Oder bleibst du neutral, um keinen Streit zu schüren? ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ AB 5 ✂ ✂

© Finken-Verlag · www.finken.de Soziales Lernen und Wertebildung Konflikte 123 Rollenspiele: Petzen oder helfen? Spielt oder malt die Szene: Tim schaut beim Test heimlich ins Heft. Lina sieht das und sagt es sofort der Lehrerin. Besprecht danach: • Wie fühlt sich Tim? • Was hättest du gemacht? • War das Petzen oder wichtig? Spielt oder malt die Szene: Lisa erzählt Emma ein trauriges Geheimnis. Emma merkt, dass Lisa Hilfe braucht. Obwohl Emma nichts sagen soll, geht sie zur Lehrerin und erzählt ihr davon. Besprecht danach: • War es wichtig, dass Emma mit der Lehrerin gesprochen hat? • Gibt es Geheimnisse, die man nicht für sich behalten sollte? Spielt oder malt die Szene: Lukas ärgert Mia auf dem Schulhof. Ben holt die Lehrerin, weil Mia traurig ist. Besprecht danach: • Wie fühlt sich Mia? • Was hättest du gemacht? • War das Petzen oder wichtig? Spielt oder malt die Szene: Philipp macht im Unterricht Quatsch und lenkt andere ab. Tabea hofft, dass Philipp Ärger bekommt und ruft laut: „Frau Fink! Wegen Philipp kann ich mich nicht konzentrieren!“ Besprecht danach: • War es wichtig, dass Tabea das der Lehrerin sagt? • Ist das Petzen oder will man nur, dass der andere Ärger bekommt? • Wie könnte Tabea das Problem auch ohne die Hilfe der Lehrkraft friedlich lösen? Spielt oder malt die Szene: Ali hat vergessen, seine Schere wegzuräumen. Sara sagt das sofort der Lehrerin. Sie hofft, dass Ali deswegen Ärger bekommt. Besprecht danach: • Wie fühlt sich Ali? • Was hättest du gemacht? • War das Petzen oder wichtig? Spielt oder malt die Szene: David trifft mit dem Fußball aus Versehen die Fensterscheibe, die dadurch zerspringt. Jonas ruft gleich die Lehrerin. David wollte es aber selbst sagen. Besprecht danach: • Hätte Jonas warten sollen? • Wie fühlt sich David? ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ ✂ AB 6

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