3130 Wie stehst du dazu? Demokratisch denken und handeln
© Finken-Verlag · www.finken.de Wie stehst du dazu? 13 Konzept So könnte man zum Beispiel nach dem Anhören eines Dialogs zwischen zwei Lehr- kräften entscheiden, die Argumente der beiden Gesprächspartner zwar zu ordnen und gegenüberzustellen, auf eine Zusammenfassung jedoch zu verzichten. Prinzipiell ist es aber wünschenswert, dass die Kinder sich am Ende ihres Arbeits prozesses ihr neu erworbenes Wissen bewusst machen und zu ihrem bereits vorhan- denen Wissen in Beziehung setzen. Dies bedeutet auch, dass sie ihre zu Beginn geäußerte spontane Meinung noch einmal kritisch überprüfen: Inwiefern hat sich durch die Arbeit mit den Texten meine Sicht auf das Thema verändert? Hat dies Auswirkungen auf meine Einschätzung der Situation und meine Position zur Ausgangsthese? Eine solche Reflexion ist zentral im Meinungsbildungsprozess und sollte im Unterricht unbedingt angeregt werden. Im Sinne einer demokratischen Erziehung liegt uns der letzte Schritt der Meinungs bildung besonders am Herzen: das Zeigen der eigenen Haltung. Demokratie lebt davon, dass möglichst viele Menschen sich an ihr beteiligen, und zwar nicht nur durch den Gang zur Wahl, sondern auch indem sie Verantwortungsbewusstsein zeigen und die zentralen Werte unserer Gesellschaft aktiv vertreten. Uns ist wichtig, den Kindern begreifbar zu machen, dass auch sie eine „Stimme“ haben und in ihrem Rahmen für das eintreten können und sollten, was ihnen wichtig ist. Nicht nur in Parlamenten und bei internationalen Konferenzen können Positionen vertreten und Konsequenzen gezogen werden. Demokratisches Handeln beginnt vor der eigenen Haustür: in der Familie, in der Schule, in der Freizeit. Daher bietet der Ordner nicht nur Ausgangssituationen und Thesen zur Auseinandersetzung an, die nahe an der Erfahrungswelt der Kinder liegen, sondern macht auch Vorschläge, wie Kinder über die Arbeit mit den Texten hinaus aktiv werden und ihre Meinung nach außen tragen können. So könnten z. B. die Planung und Gestaltung einer Ausstellung zum Thema „Wie ich Plastik vermeiden kann“ oder ein Projekttag zum „Upcycling“ eine gute Möglichkeit sein, innerhalb der Schulgemeinschaft auf das Thema „Müllvermeidung“ aufmerksam zu machen. Viele der vorgeschlagenen Ideen lassen sich gut mit den Inhalten und Kompetenzerwartungen anderer Fächer verbinden, etwa Ethik, Sach unterricht, Kunst, Sport oder Deutsch. Natürlich sind die Vorschläge nicht obligato- risch, aber: Nichts lässt Demokratie lebendiger werden als die Erfahrung, die eigene Meinung hörbar zu machen und mit persönlichem Engagement etwas bewirken zu können! Wie kann ich vorgehen? Strategien bei der Meinungsbildung Zur Unterstützung des Meinungsbildungsprozesses lernen die Kinder bei der Bearbeitung der Aufgaben verschiedene Strategien kennen, die ihnen helfen sollen, die einzelnen Teilschritte zu durchlaufen. Auch hier geht es nicht darum, immer alle Strategien gleichzeitig anzuwenden. Vielmehr ist es uns ein Anliegen, bei den Kindern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass sie sich auf sehr unterschiedliche Weise mit einem Thema auseinandersetzen und sich Informationen beschaffen können, wenn sie sich dazu eine umfassende Meinung bilden möchten.
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